Diplomarbeit | Serie aus 10 Fotografien (Auswahl, Installationsansicht, Text)
Am Teich | 2006 | 75 x 75 cm
ohne Titel | 2007 | 50 x 50 cm
Bude | 2006 | 50 x 40 cm
ohne Titel | 2006 | 100 x 70 cm

Baumhaus | 2006 | 114 x 136 cm
2007 | Rückzugsraum | Galerie Emmanuel Post Leipzig


© Leipziger Volkszeitung, vom 13.02.2007
Orte der Stille Ein Zimmer, ein Gedanke, eine Berührung: Die Fotografin Mirjam Dröge zeigt in der Galerie Emmanuel Post Rückzugsräume. Manch einer geht im Park spazieren. Andere packen ihre Sachen und fliegen in fremde Länder. Wieder andere schließen einfach ihre Zimmertür hinter sich zu. Bei Mirjam Dröge ist das anders. Sie braucht keinen bestimmten Ort, um sich zurückzuziehen, um ganz für sich allein zu sein. Es sind ihre Gedanken, in die sie sich zeitweise flüchtet, egal wo sie ist. „Ich bin eine Tagträumerin“, sagt sie von sich selbst. Diese Ausflüge in ihre eigene Welt bringen sie auf Ideen, dann nimmt sie auch ihre Umwelt intensiver wahr. So wie damals im Sommer 2005, als sie in einem Park zwischen Grashügeln kleine, von Kindern gebaute Verschanzungen entdeckte und fotografierte. Im Laufe der Zeit hat sie viele dieser eben ganz privaten Orte mit ihrer Kamera festgehalten.
„Rückzugsraum“ ist nun der Titel ihrer Ausstellung. Ein Baumhaus, eine Zimmerecke, in der ein Kachelofen steht, ein weißes, zerknittertes Bettlaken. Auf den ersten Blick könnten die Motive fast banal erscheinen. Doch unter Dröges Fragestellung entwickeln die Bilder eine immense Wirkkraft. „Wo findet man Raum, um Schutz und vor allem Stille zu haben?“, fragt die 28-Jährige in einem Text zur Ausstellung.
Weit fliegen musste die Leipziger Fotografin für ihre Recherche nicht. Fündig wurde sie in ihrer alltäglichen Umgebung. Das Ergebnis ist eine Reihe sehr intimer Bilder, die etwas Persönliches enthüllen sollen. Als würde man in einem fremden Tagebuch lesen. Gut ist, dass sie die Anonymität der abgebildeten Orte und Menschen bewahrt hat. Das unterscheidet ihre Arbeit vom modernen Voyeurismus, der versucht, jedes Detail menschlichen Daseins öffentlich zu machen. So haben diese Fotografien keinen dokumentarischen Charakter, sondern sie geben dem Betrachter nur Ideen, was das sein könnte, ein Rückzugsraum. Ein Zimmer, ein Gedanke, eine Berührung? Finden muss ihn am Ende jeder für sich selbst.
Im Jahr 2000 begann Mirjam Dröge ihr Fotografiestudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Zahlreiche Ausstellungen und Publikationen hat sie schon hinter sich, Rückzugsraum ist nun ihre Abschlussarbeit. In die Galerie Emmanuel Post, die seit 2004 junge Leipziger Kunst ausstellt, ist eine kleine Auswahl ihrer Bilder zu sehen. Die weiß gestrichenen Räume im Neonlicht passen zu der schlichten Inszenierung in Dröges Bildern. Die Galerie liegt etwas abgelegen in einer kleinen Seitenstraße. Ruhe findet man dort allemal.
Claudia Eue